Holpernd, ratternd fährt uns der Transporter quer durch den Tagebau "Neues Schleenhein". Riesige Bagger wühlen sich in die Erde. Braunkohle scheint immer noch das große Geschäft zu sein. Da lohnt es sich schon, ein ganzes Dorf wegzubaggern. Heuersdorf ist der Name des Dorfes. In einem Jahr ist es weg, egal wie sehr sich die Bewohner gegen die Umsiedlung gewehrt haben. Ein Stück Leben, ein Stück Geschichte muss der Kohle weichen. Doch nicht ganz, denn etwas wird bleiben.
Ruckend hält der Wagen. Wir steigen aus und stellen fest, dass wir nicht die Ersten sind. Kameras wohin das Auge blickt. Und alle Augen blicken in eine Richtung: zum Ortsausgang. Dort steht sie, die Emmauskirche, über 700 Jahre alt. Und ... sie steht auf Rädern! 40 Achsen hat der Trailer, der sie nach Borna bringen soll, 12 Kilometer entfernt. Ein kleines Stück für einen Menschen, ein gigantischer Weg für eine Kirche.
Bewegung bei den Journalisten. Hastig werden Kameras geschultert. Gehts schon los? Ich bin nervös und neugierig und kann plötzlich meinen Kameramann nicht finden. Verdammt! Ich greife zum Handy, will gerade seine Nummer wählen, da steht plötzlich neben mir. Und zum leisen Surren der Kamera entfernt ein Arbeiter das Ortseingangsschild von Heuersdorf.
Aus dem Surren wird ein lautes Brummen. Zum Glück ist es nicht die Kamera. Der Motor des Trailers wird angeworfen. Ein junger Mann mit Overall und Bauhelm sitzt auf einer Art Podest direkt vor der Kirche auf dem Trailer. Auf dem Schoß einen Kasten. Auf dem Kasten ein Joystick. Eine leichte Bewegung mit dem Finger und langsam rollend begibt sich die Kirche auf die Reise.

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