Mittwoch, 14. November 2007

Kirche aus dem Dorf

Frierend steht der Tross der Journalisten an einem Parkplatz. Rauchen, Kaffee trinken, Warten. Alle sind da. Allein der mdr hat fünf Kamera-Teams geschickt. Allradtransporter stehen bereit. Ein Mann von der MIBRAG winkt. Einsteigen! Wir drängeln uns rein, sitzen wie die Heringe auf schmalen Bänken. Kameraleute umklammern ihre Kameras als wären es Neugeborene. Auf dem Boden stapeln sich Stative. Die Stimmung ist gut, die Heizung läuft auf vollen Touren. Ein Ruck und es geht los.
Holpernd, ratternd fährt uns der Transporter quer durch den Tagebau "Neues Schleenhein". Riesige Bagger wühlen sich in die Erde. Braunkohle scheint immer noch das große Geschäft zu sein. Da lohnt es sich schon, ein ganzes Dorf wegzubaggern. Heuersdorf ist der Name des Dorfes. In einem Jahr ist es weg, egal wie sehr sich die Bewohner gegen die Umsiedlung gewehrt haben. Ein Stück Leben, ein Stück Geschichte muss der Kohle weichen. Doch nicht ganz, denn etwas wird bleiben.
Ruckend hält der Wagen. Wir steigen aus und stellen fest, dass wir nicht die Ersten sind. Kameras wohin das Auge blickt. Und alle Augen blicken in eine Richtung: zum Ortsausgang. Dort steht sie, die Emmauskirche, über 700 Jahre alt. Und ... sie steht auf Rädern! 40 Achsen hat der Trailer, der sie nach Borna bringen soll, 12 Kilometer entfernt. Ein kleines Stück für einen Menschen, ein gigantischer Weg für eine Kirche.
Bewegung bei den Journalisten. Hastig werden Kameras geschultert. Gehts schon los? Ich bin nervös und neugierig und kann plötzlich meinen Kameramann nicht finden. Verdammt! Ich greife zum Handy, will gerade seine Nummer wählen, da steht plötzlich neben mir. Und zum leisen Surren der Kamera entfernt ein Arbeiter das Ortseingangsschild von Heuersdorf.
Aus dem Surren wird ein lautes Brummen. Zum Glück ist es nicht die Kamera. Der Motor des Trailers wird angeworfen. Ein junger Mann mit Overall und Bauhelm sitzt auf einer Art Podest direkt vor der Kirche auf dem Trailer. Auf dem Schoß einen Kasten. Auf dem Kasten ein Joystick. Eine leichte Bewegung mit dem Finger und langsam rollend begibt sich die Kirche auf die Reise.

Was für ein Anblick! 600 Tonnen Bauwerk plus 100 Tonnen Fahrzeug machen sich auf den Weg. Erst sehr langsam und dann, zumindest für eine Kirche, überraschend schnell. Mit 2 km/h verlässt die Emmauskirche Heuersdorf, fährt die Landstraße entlang und verschwindet hinter einer Gruppe von Bäumen.

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